© Nordfrankreich, Compiègne, Wagon des Waffenstillstands 1918 | CRTC Hauts-de-France - Ludovic Leleu

Compiègne: Schauplatz des Waffenstillstands 1918

Am 11. November 1918 um 11 Uhr vormittags wird auf einer friedlichen Lichtung mitten im Wald von Compiègne in dem Speisewagen eines Eisenbahnwaggons der Waffenstillstand des Ersten Weltkriegs unterzeichnet und damit vier Jahre Kampfhandlungen beendet. Heute können Sie an genau dieser Stelle ein Museum besuchen, das historische Stereoskopie und moderne 3D-Präsentation verbindet.

Nordfrankreich, Compiègne, Waffenstillstand im Wagon, Bild Maréchal FochNordfrankreich, Compiègne, Waffenstillstand im Wagon
©Nordfrankreich, Compiègne, Waffenstillstand im Wagon, Bild Maréchal Foch|CRTC Hauts-de-France - Ludovic Leleu

Die Unterzeichnung des Friedens 1918

Der Waffenstillstand von Compiègne bedeutete nicht nur Frieden auf internationaler Ebene, sondern auch ein Sieg für die Region Nordfrankreich, die vom Ersten Weltkrieg am stärksten betroffene Region Frankreichs. Im August 1918 waren die letzten deutschen Offensiven in den Départements Aisne und Somme gerade gescheitert und am 8. August startete Foch, der gerade zum Marschall ernannt worden war, die 100-tägige Gegenoffensive, die von Amiens ausging und bis zum endgültigen Sieg nicht aufhören sollte. Die Deutschen begriffen, dass der Krieg verloren war und strebten den Waffenstillstand an. Die Alliierten, die mit einem Sieg im Frühjahr 1919 gerechnet hatten, sahen sich durch den deutschen Zusammenbruch überrumpelt und bereiteten in aller Eile einen Vertrag vor, der am 4. November fertiggestellt wurde. Hätte der Waffenstillstand, der 1.561 Tage der Kampfhandlungen auf allen fünf Kontinenten beendete, nicht mehr Ruhm verdient? Um die Wahl dieser diskreten Waldlichtung zu verstehen, muss man auf die Geschichte schauen: Marschall Foch wollte den deutschen Bevollmächtigten eine öffentliche Demütigung ersparen, damit der unterzeichnete Frieden keinen Rachegeist schüre und möglichst dauerhaft sei.

Der Waffenstillstand wird also in Fochs fahrendem Hauptquartier unterzeichnet, einem Zug, dessen Speisewagen in ein Büro umgewandelt wurde. Der Waggon wird „an einen Ort transportiert […], der Ruhe, Stille und Respekt vor dem Gegner gewährleistet„. Es ist in der Tat ein luxuriöser Zug mit grün und gold gepolsterten Waggons, derjenige, der Napoleon III. und Kaiserin Eugénie beförderte, als sie nach Compiègne kamen.

Eine Besichtigung voller Geschichte

Der Waggon, der heute im Herzen der Lichtung des Waffenstillstands von Compiègne 1918 besichtigt werden kann, ist ein Nachbau, da das Original 1940 von den Nazis zerstört wurde. Es erwartet Sie eine neue Szenographie, die die Vorzüge der Technologie von heute (3D-Raum, Schatzsuche) und der von gestern (Stereoskope, die Bilder in Reliefansicht präsentieren) verbindet.

Alles in allem ein bewegender, pädagogischer Ort, umgeben von dem 15.000 Hektar großen Wald von Compiègne, der zu Fuß oder mit dem Fahrrad über die Waldwege und markierten Pfade erkundet werden kann.

Tipp eines Locals

Jean-Pierre Gilson, photographe à CompiègneJean-Pierre Gilson, photographe à Compiègne
Ein Picknick am Fuße einer der ältesten Eichen Frankreichs

Ich empfehle Ihnen, Ihren Picknickkorb in Saint Jean aux Bois, in der Nähe des Baumes „le chêne Saint Jean“, abzustellen. Die fast 800 Jahre alte Eiche ist eine der ältesten in Frankreich und wurde von Mönchen während der Herrschaft von Saint Louis gepflanzt! Kinder staunen immer, wenn man ihnen sagt, wie alt sie ist. Die Eiche ist ein echter Koloss und ihr Stamm mit seinen mehr als acht Metern Umfang ist wirklich außergewöhnlich. Versuchen Sie, den Stamm zu umfassen und sich dabei an den Händen zu halten…falls Sie es schaffen!

Jean-Pierre Gilson, Fotograf und Experte für Spaziergänge im Wald von Compiègne
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Praktische Informationen