© Nordfrankreich, Laon, Blick auf die Stadt und den von der Kathedrale "gekrönten Berg" | Office de Tourisme du Pays de Laon

Grenzland Nordfrankreich

Die Geheimnisse der unterirdischen Schutzräume

Die mittelalterliche unterirdische Stadt in Laon, die von neuseeländischen Tunnelbohrmaschinen angelegte Labyrinthe in Arras, Kasernen für deutsche und französische Soldaten unter dem Chemin des Dames und eine Ruhestätte für australische Soldaten in Naours: Wir stellen Ihnen vier unterirdische Besichtigungen vor, die Sie heute, im 21. Jahrhundert, erleben können.

Arras _ Carrière Wellington © Office de Tourisme Arras Pays d'ArtoisArras _ Carrière Wellington © Office de Tourisme Arras Pays d'Artois
©Nordfrankreich, Arras, Wellington Steinbruch|Office de Tourisme Arras Pays d'Artois
Laon

Die unterirdische Kathedrale

Auf dem Gipfel der „Montagne Couronnée“, der Oberstadt von Laon, führt eine Tür der Zitadelle in ein Labyrinth aus unterirdischen Gängen. Mit einer Fackel in der Hand tauchen Sie ein in die Welt unter der Stadt. In den Decken und den Kalksteinwänden erkennen Sie Schnecken-Fossilien:

„Sie erinnern uns daran, dass Laon vor Millionen von Jahren unter Wasser lag. Die weitere Entwicklung der Stadt ist unmittelbar mit den Weinbergen verbunden, aber auch mit den Steinbrüchen, die in die Tiefen des Berges gegraben werden. Die Steine der Kathedrale Notre Dame von Laon stammen von dort.“.

erklärt Lucie, die Reiseleiterin.

Während Ihrer Besichtigung staunen Sie über ein gallo-römisches Getreidesilo, die Verliese des mittelalterlichen Glockenturms und – als Höhepunkt – wunderschön beleuchtete Gewölbe, so weit das Auge reicht. Willkommen im meisterhaften unterirdischen Gewölbe von Laon! „Es handelt sich um eine Schützenlinie, die sich zwischen zwei Bastionen der Zitadelle befindet. Hinter jedem Torbogen befindet sich eine Kasematte, in der Soldaten postiert waren, bereit, ihre Festung zu verteidigen. »

Nachdem Sie das Pulvermagazin durchquert haben, führen die unterirdischen Gänge bis zur Spitze der Zitadelle. Das Panorama ist atemberaubend. Die Kathedrale steht auf ihrer Anhöhe und überragt alles. In der Ferne sieht man die Kammlinie zwischen dem Ailette-Tal und dem Aisne-Tal und den Chemin des Dames, einen zentralen Ort des Ersten Weltkriegs.

Oulches-la-Vallée-Foulon

Die Drachenhöhle

Tauchen Sie ein in ein unterirdisches Museum

Die Drachenhöhle liegt in einem Steinbruch. Das Besondere: Im Ersten Weltkrieg nahmen deutsche und französische Soldaten den Ort abwechselnd ein und teilten ihn sich sozusagen gemeinsam unter der Erde, während an der Oberfläche die Kämpfe tobten.

Es waren die Deutschen, die dem Steinbruch den Spitznamen „Drachenhöhle“ gaben, vielleicht wegen des Feuers, das aus den sieben Öffnungen der Maschinengewehre herausschoss. Im Untergrund war das Leben gut organisiert: Lebensmittel, Munition und Medikamente wurden gelagert, ein Operationssaal, eine Kapelle und sogar Strom und Telefon waren installiert. Die beiden Lager teilten sich die Gänge, bauten Trennwände und lebten in Dunkelheit und Feuchtigkeit. Bei einer Besichtigung der Drachenhöhle werden alle Sinne angesprochen: Geschichtsunterricht wird greifbar, präsentiert wird ein fesselndes Erlebnis für Groß und Klein.

Nach diesem Eintauchen in die Geschichte des Ersten Weltkriegs tut es gut, auf den grünen und friedlichen Hängen der Ebene tief durchzuatmen. Hier haben Sie die Möglichkeit, die „Constellation of Pain“ zu betrachten. Das Werk von Christian Lapie besteht aus neun riesigen Statuen, das den 1917 in der Schlacht am Chemin des Dames gefallenen „Senegalschützen“ gedenkt.

Arras

Der Wellington Steinbruch

Erleben Sie den größten Überraschungsangriff des Ersten Weltkriegs aus der Nähe!

Die 20 Meter hohen Gewölbe unter dem Kopfsteinpflaster von Arras waren Schauplatz einer blitzschnellen, taktischen Schlacht im Ersten Weltkrieg. Um die deutschen Truppen zu überraschen, bauten die Commonwealth-Truppen ein Netz von Tunneln durch die Steinbrüche der Stadt.

Der Wellington Steinbruch ist einer von ihnen. Er wurde von neuseeländischen Tunnelbauern mit einem gigantischen materiellen und menschlichen Aufwand gegraben. Das unterirdische Tunnelnetz erstreckt sich von Arras bis zur Front, über mehr als 19 Kilometer. 24.000 australische, britische, kanadische, neuseeländische und neufundländische Soldaten (so viele wie die damalige Bevölkerung der Stadt) lebten hier acht Tage lang und warteten fieberhaft auf den Befehl zum Angriff. Es herrschte eine Atmosphäre von Feuchtigkeit und Angst, aber auch von Kameradschaft und guter Laune, wie die zahlreichen Graffiti an den Wänden bezeugen.

Mit dem Brodie-Helm auf dem Kopf fahren Sie mit dem Aufzug in die Tiefen von Arras hinab. Auf Sie wartet nicht nur Kälte, sondern eine Szenografie, die Sie in das Jahr 1917 versetzt: dumpfe Explosionen, Trillerpfeifen, geschriene Befehle…bis zum Schock der letzten Schlacht. Wir teilen den Alltag der Soldaten und folgen den Spuren der Vorfahren unserer Besucher, denn: Jeder zweite Besucher der Wellington-Steinbrüche kommt aus dem Commonwealth! Die Besichtigung ist ein schönes Beispiel für internationale Verbundenheit und dauerhaftes Engagement für Frieden und Freiheit.

Naours

Unterirdische Stadt

Zeugnisse aus dem Alltag australischer Soldaten

 

Nördlich von Amiens zeigen die Höhlen der Stadt Naours ein anderes Gesicht des Ersten Weltkriegs: Junge australische Soldaten auf Urlaub, die sich die Gegend ansehen und Denkmäler besuchen. Mehr als 700 von ihnen hinterließen fast 3.000 Graffiti und Unterschriften, die ihren Weg unauslöschlich markierten, als ob sie wollten, dass ihre Namen den Krieg überleben.

All diese Begegnungen hinterließen einen tiefen Eindruck in der Region und Australier, die nach Hause zurückkehrten, nahmen manchmal ein kleines Stück Nordfrankreich in ihrem Herzen mit. So gibt es im australischen Bundesstaat Queensland Städte, deren Namen in unseren Ohren seltsam vertraut klingen: Pozières, Bapaume, Bullecourt, Fleurbaix und natürlich Amiens.

Tipp eines Locals

Jean-Pierre Gilson, photographe à CompiègneJean-Pierre Gilson, photographe à Compiègne
Sie suchen Spots für schöne Fotos in Laon?

Wenn Sie einen „Wow“-Ausblick für Ihre Selfies und Schnappschüsse suchen, empfehle ich Ihnen zwei Orte. Als erstes die Porte d’Ardon: Sie haben einen sehr schönen Blick auf die Stadtmauer und ihre Türme sowie auf das Saint-Vincent-Becken. Sie fragen sich, was das „Sankt-Vincent-Becken“ ist? Es ist ein kleines Stückchen Landschaft, das zwischen der Oberstadt von Laon eingeschlossen ist. In der Vergangenheit wuchsen hier Weinreben. Dieses ausgedehnte Waldgebiet ist ein großartiger Ort für einen Spaziergang, Sie erreichen ihn über die steilen Anstiege „Grimpettes“.

Der zweite Ort, um schöne Fotos zu machen: Die Rue Thibesard, sie bietet einen schönen Blick auf die Kathedrale, die Kirche Saint-Martin und das Saint-Vincent-Becken!

Jean-Pierre Gilson, Fotograf und Experte für die Picardie in Nordfrankreich