Wegmarkierungen Via Francigena GR145 in Nordfrankreich. Copyright: Alice ChaputNordfrankreich_GR145-©Alice-Chaput
©Nordfrankreich, Via Francigena GR145, Wegmarkierung |Alice Chaput

Wandern auf der Via Francigena

Ein mittelalterlicher Weg, um zu sich zu kommen und durchzuatmen

Es gibt Straßen, deren Geschichte auf ihren staubigen Wegen allgegenwärtig ist. Wenn man sie entlanggeht, fühlt man sich in der Zeit zurückversetzt. Verbunden mit sich selbst und mit dem ganzen Universum. In Gemeinschaft mit denen, die mit uns gehen. Die Via Francigena ist eine davon. Diese „Straße von Frankreich“ führt nach Rom. Der Weg führt Sie auch zu sich selbst und lässt Sie lebendig und stärker mit Ihrer Umwelt Welt verbunden sein.

Der Weg nach Rom über den Fernwanderweg GR145

Beim Gehen tauchen Sie ein in ein Gefühl absoluter Entspannung und Ausgeglichenheit, ohne müde zu werden. Einen Fuß vor den anderen zu setzen wird nach einer Weile zu einem meditativen Mantra, einem körperlichem Ohmmmm, bei dem Sie ganz im Hier und Jetzt sind, verbunden mit all Ihren Sinnen. Das ist das Geheimnis der Via Francigena, die im Jahr 900 n.Chr. entstand. Der Erzbischof Sigeric von Canterbury pilgerte damals in die Ewige Stadt, um von Papst Johannes XV. das Pallium zu erhalten. Im 12. Jahrhundert verkündete der Mönch Alain de Lille, dass alle Wege nach Rom führen, und unterstrich damit die vielen möglichen Routen. Wir nehmen den großen Weg, der heute durch den Fernwanderweg GR145 gekennzeichnet ist, und entscheiden uns für die das Teilstück von Saint-Quentin nach Laon. Eine zweitägige Reise, die mit vor der Basilika von Saint-Quentin auf den Spuren des alten Romieux beginnt. Sobald wir das gotische Rathaus passiert haben, erreichen wir die Ufer des Kanals, der entlang der Somme verläuft und uns fast 10 Kilometer lang begleiten wird. Entlang dieses ruhigen Gewässers laufen Sie ohne Anstrengung. Nach einer Aufwärmphase fliegen Ihre Gedanken davon und lassen sich vom Rascheln der Blätter fangen, die über dem Wasser aufgewühlt werden.

Meditieren heißt, jene ursprüngliche Dimension des Fühlens wiederzuentdecken, in der unsere mentalen Routinen nicht mehr herrschen, in der alles in einem neuen Licht voller Möglichkeiten erscheinen kann. Wandern macht optimistisch!

Ganz gleich, ob Sie zu zweit oder in der Gruppe unterwegs sind: ohne miteinander zu sprechen, kommen Sie einander auf der Via Francigena näher, als je zuvor. Es ist eine Gelegenheit, die Beziehung zu seinen Lieblingsmenschen zu stärken.

Am Ende des Kanals erreichen Sie Séraucourt-le-Grand mit seiner kleinen Kirche mit einem hölzernen Turm. Séraucourt-le-Grand ist eine der 79 Etappen der Reise von Sigeric, der unter dem Namen Martinwaeð pilgerte. Wir gehen an den Teichen entlang, die von der Somme gespeist werden, und vor unseren Augen spannt sich weit die riesige Ebene. Ein atemberaubendes Panorama, das hilft, den Kopf frei zu bekommen, die Gedanken zu lösen, die Sorgen loszuwerden.

„Es scheint mir daher unsere wichtigste Aufgabe zu sein, den Faden des Wunders niemals loszulassen.“

So weit das Auge reicht, sind die Felder gleich einer ruhigen Wüste, in der der Geist Zuflucht findet. Die staubigen Füße verbinden uns wieder mit dem Leben, den Geräuschen, den Farben… Es ist ein reines ästhetisches und sensorisches Gefühl. Nach Tergnier und seinen Art-déco-Sehenswürdigkeiten färbt sich der Horizont mit dem dunklen Grün des Waldes von Saint-Gobain. Die Straße wird holpriger und unser Tempo verlangsamt sich wieder. Die Gehölze gehen in dichte Wälder über und wir betreten den Wald. Wir kommen an der Glasfabrik Saint-Gobain vorbei, die die Spiegel für den Spiegelsaal in Versailles herstellte. Bevor wir den Wald verlassen, können wir in der Nähe der Ruinen der Abtei Saint-Nicolas-aux-Bois meditieren, deren Türme und Wachtürme sich in die dichte Vegetation einfügen, die sie umgibt.

Dann geht es zurück in die Ebene, wo in der Ferne der von der Kathedrale gekrönte Berg von Laon auftaucht. Sie strahlt, zeitlos majestätisch. Um es frei mit den Worten von Charles Péguy, einem großen Pilger, zu sagen:

Der geradlinigste Weg, der jemals existiert hat,
hin zu einem Ensemble unter grenzenlosem Himmel.

Wir kommen leichtfüßig in dieser alten Stadt an; die zwei Tage haben uns innerlich gereinigt und mit einer einfachen Freude erfüllt. Und auf dem Weg dorthin haben wir ein Talent entdeckt: unsere Fähigkeit, uns auf das Wesentliche zu besinnen und Lebensfreude zu genießen.

Tipp eines Locals

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Der Abteien-Weg im Wald von Saint Gobain

Der majestätische Wald von Saint-Gobain befindet sich in unmittelbarer Nähe Ihrer Unterkunft und es wäre eine Schande, dort nicht spazieren zu gehen! Ich empfehle den „Abteien-Weg“ (15 Kilometer). Sie haben die Wahl zwischen einer Wanderung für diejenigen, die gerne zu Fuß unterwegs sind, oder einer schönen Fahrt mit dem Fahrrad (oder Auto) für diejenigen, die mehr Ruhe suchen. Unterwegs sehen Sie die Felsen von Ermitage, die Abtei Saint-Nicolas-aux-Bois und das Priorat von Tortoir, die mitten im Wald liegen. Auf dem Rückweg werden Sie sicher hungrig sein, also halten Sie in der Bäckerei in Coucy-le-Château an, um die lokale Spezialität zu kaufen: saftige Fleischpastete. In Kombination mit einem Salat ein wahrer Genuss!

Christelle Clément, Expertin für Auslfüge zu den Themen "Natur" und "Kulturerbe" für Familien im Département Aisne
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