© Nordfrankreich, Croix La Villa Cavrois vue d'extérieur | Centre Des Monuments Nationaux - Jean-Luc Paillé

Jugendstil und Art‑Déco‑Facetten

Art-Déco ist mehr als ein Architektur-Stil, es ist ein Bekenntnis: Die Stilrichtung entwickelte sich in Nordfrankreich nach dem Ersten Weltkrieg, um die verwüsteten Städte wieder aufzubauen – erfinderisch, farbenfroh, die Aufbruchstimmung der Bewohner zeigend. Unter Missachtung des Pariser Diktats erfanden die Architekten dieser Zeit – durchaus aufrührerisch – einen regionalen Stil, wie er sonst nirgends zu finden ist. Begeben Sie sich auf eine Entdeckungstour ins Herz der Goldenen Zwanziger, die auch Sie glücklich und optimistisch stimmen wird!

Art Nouveau in Saint-Quentin, Copyright: CRTC Hauts-de-France - Sylvain CambonNordfrankreich, Saint-Quentin, Art Nouveau
©Nordfrankreich, Saint-Quentin, Art Nouveau|CRTC Hauts-de-France - Sylvain Cambon
Croix

01. Villa Cavrois

Der Stil Dampfer

Die Villa Cavrois, ein Bekenntnis zur Moderne

Die Villa Cavrois zeigt, dass Schönheit und Funktionalität eine harmonische Symbiose eingehen können. Fast könnte man sich vorstellen, noch heute in diesem eleganten und nüchternen Interieur zu leben. Sie werden fasziniert sein von den unzähligen Materialien, Farben, Dimensionen und Lichtreflexen, die Ihnen die Villa Cavrois in Croix bietet. Die Villa ist ein architektonisches Meisterwerk von Mallet Stevens, das im letzten Jahrhundert von einem Textilindustriellen in Auftrag gegeben wurde. Die Villa Cavrois zählt zu den französischen Nationaldenkmälern und kann seit 2015 besichtigt werden. Der Park mit seinem langgestreckten Wasserbecken unterstreichen die Klarheit und Harmonie des Ortes.

02. Saint-Quentin

3.000 Fassaden für La vie en Rose

Wenn Sie durch Saint-Quentin spazieren, kommen Sie aus dem Staunen nicht mehr heraus. Über die Fassaden verlaufende Stuckelemente, farbenfrohe Mosaike, Bogenfenster bestückt mit Blumen, Früchten und anderen Naturelementen.

Art Déco-Architektur komponiert das Stadtbild. Besonders sehenswert sind das Postamt mit seinen geflochtenen Ziegelstein-Effekten und seinen kubistisch beeinflussten Mosaiken im Inneren, das alte Kino „Le Carillon“, die Glasfenster der beiden Kapellen der Basilika – rosa auf der einen Seite, rehbraun auf der anderen -, die Musikschule, der Rathaussaal und der Bahnhof mit seinem mit stilisierten Pflanzenblüten. Nach wenigen Metern durch die Stadt kribbelt es in Ihren Füßen und Sie wollen auf der Grande Place Charleston tanzen!

Bruay-la-Buissière - Béthune

03. Art-Déco inmitten von Halden und Gruben

Wenn Sie im UNESCO-Bergbaugebiet am Bahnhof von Lens ankommen, tauchen Sie ein in eine „Art Déco“-Atmosphäre, die Ihre Klischees über das „schwarze Land“ gehörig durcheinanderbringen wird. Die Wartehalle des Bahnhofs zieren Wandmosaike, die an die Bergbautätigkeit erinnern. Draußen vermittelt die Architektur den Eindruck, eine Lokomotive würde in den Bahnhof einfahren. In Bruay-la Buissière, ein paar Kilometer von Lens entfernt, begeistert das riesige Freibad in Form eines stilisierten Passagierschiffes der 20er Jahre. In den Original-Kabinen haben Sie den Eindruck, sich in einem Transatlantik-Liner zu befinden! Es ist eines der letzten Gebäude dieser Art in Frankreich, das für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Ebenso wie der nah gelegene Stadium-Park. Beide Anlagen wurden 1936 für die Freizeitgestaltung der Bergleute konzipiert. Und in Béthune geht die Show weiter: Rathaus und Nachbarhäuser, Grand Place, Kirche Saint-Vaast… die ganze Stadt strahlt in Art-Déco!

Lille

04. Art-Déco-Stadtspaziergang

durch die Altstadt von Lille

Der Höhepunkt des Art-Déco in Lille ist der 104 m hohe Glockenturm, der zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Am Fuß des Glockenturms richten sich ihre Blicke in den Himmel, entlang rot-orangefarbener Ziegel. Nicht verpassen dürfen Sie außerdem die Fassade des ehemaligen Restaurants „L’Huîtrière“. Wie ein Retro-Werbeplakat steht das Meeresmotiv aus Fischen und Muscheln für das einstige Fisch-Restaurant. Ebenfalls in der Altstadt von Lille ist die Konditorei Meert ein Fest für alle Sinne. Treten Sie ein in diesen Art-Déco-Tempel mit seinen Goldverzierungen, Kassettendecken und schmiedeeisernen Balkonen und probieren Sie ihre berühmte Vanillewaffel!

In Lambersart, in der Nähe von Lille, ist die Avenue de l’Hippodrome eine Art-Déco-Prachtstraße (ab dem Haus mit der Nummer 309). Sie werden erstaunt sein, hier einen kleineren Nachbau der Villa Cavrois zu sehen. In Roubaix bestaunen Sie „La Piscine“, das einzige Museum Frankreichs in einem ehemaligen Art-Déco-Schwimmbad. Riesige orangefarbene Glasfenster spiegeln sich im Wasserbecken aus Mosaik, Meeresdarstellungen entführen in eine andere Welt und die Skulpturen am Beckenrand werden in ein warmes Licht getaucht. Eine einmalige Kulisse!

05. Cambrai

Modernität zwischen historischen Stadtmauern

Über die Gestaltung des Rathauses von Cambrai entspann sich nach dem Ersten Weltkrieg eine Kontroverse zwischen Tradition und Moderne. Wiederaufbau im Stil der Vorkriegsarchitektur oder ein Bekenntnis zur Moderne, das war die Frage. Die Moderne hat gewonnen. Das Rathaus ist eines der letzten Art-Déco-Gebäude in der Region. Der Architekturstil bereitete sich über die ganze Stadt aus, von der Einkaufsstraße Saint-Martin in der Nähe der Grande Place über die Industrie- und Handelskammer mit einer leuchtenden Mosaiksonne im Inneren bis hin zum Theater, dessen von Arkaden und Masken geschmückter Saal von einer Kuppel mit Musen, Füllhörnern und Pflanzenfriesen geschmückt wird. Machen Sie eine Zeitreise in Cambrai.

Maubeuge

06. Das Sthrau-Zimmer

Ein pures Vergnügen

Fantasie und Erfindungsreichtum sind die Markenzeichen des Architekten Lafitte, der den Wiederaufbau dieser ehemaligen Kapelle des 1914 zerstörten Jesuitenkollegs durchführte. Die vollendete Architektur macht das Gebäude zu einem einzigartigen Theater. Sobald Sie den streng wirkenden Eingang hinter sich gelassen haben, wartet ein schillerndes Schmuckstück auf Sie. Leuchtende Farben, Eisenarbeiten, Glas- und Keramikdekorationen ziehen sich durch die beiden Ebenen: ein Musikzimmer im Erdgeschoss und ein glasüberdachter Ballsaal im ersten Stock. Beide sind durch eine imposante Treppe miteinander verbunden. An dieses Eintauchen in das Herz der Goldenen Zwanziger werden Sie sich noch lange erinnern.

Dünkirchen

07. Außergewöhnlich: L'Excentric

Dieser Spitzname, der auf die Einwohnerinnen und Einwohner Dünkirchens zurückgeht, beschreibt die Arbeit des Architekten François Reynaert. Letzterer entwarf 35 Häuser, eines origineller und modernistischer als das andere, im Stadtteil Rosendaël von Dünkirchen. Der ehemalige Maurer und spätere Unternehmer sowie Goldmedaillengewinner der Kunstgewerbeausstellung von 1925 hatte eine überbordende Fantasie. Sein Motto lautete: „Alles ist (Bau-)Stoff für alles“. Entdecken Sie die überraschenden Häuser mit den kreativen Namen, die ihnen von ihren Besitzern gegeben wurden: L’escargot (Die Schnecke), Suzette (Lolli), le Baldaquin, les Disques, les Volutes, les Anneaux, les Copeaux oder l’Excentric Moulin (Die exzentrische Mühle), den ehemaligen Tanzsaal. Sie erwartet ein lustiger, leicht schräger und charmanter Spaziergang mit gratis Nordseeluft.

Albert

08. Basilika Notre-Dame in Brebières

Ein neobyzantinischer Exot im Land des Art-Déco

40. goldene Blätter schmücken den Glockenturm dieser einmaligen Basilika. Während des Krieges war das „Lourdes des Nordens“, wie Papst Leo XIII. es nannte, gekrönt von einer goldenen Jungfrau-Figur in mehr als 70 Metern Höhe. Ein Leuchtturm in der Ebene, eine schützendes Zeichen, ein Sinnbild für Hoffnung, das als Bild auf einer Postkarte im ganzen englischen Commonwealth verbreitet wurde. Nachdem das monumentale Bauwerk im Ersten Weltkrieg beschädigt wurde, wurde es in der Nachkriegszeit wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzt. Zu sagen, dass die Basilika von Albert aus dem Art-Déco Stadtbild heraussticht, wäre noch untertrieben. Bereits 1920 ermöglichte eine internationale Finanzierung den Wiederaufbau. Bei dem Überschwang der Dekorationen kann einem leicht schwindelig werden. Fresken, Glasfenster, Mosaike, Marmoraltäre und bemalte Decken – ausschweifende Details und symbolische Inschriften noch und nöcher: Sie werden nicht wissen, wo Sie zuerst hinschauen sollen.

09. Mers-les-Bains

Badeatmosphäre am Meer

Eine Reihe süßer Strandhütten, fast 600 elegante Villen, deren bunte Farben entlang der Strandpromenade und in den Straßen um Ihre Aufmerksamkeit wetteifern. Willkommen in Mers-les-Bains! Machen Sie sich auf eine Reise zwischen der Belle Époque und den Golden Zwanzigern im kleinen Badeort Mers-Les-Bains im Süden der Somme-Bucht.

Doch zuerst ein bisschen Geschichte: Der Bau der Eisenbahnlinie von Paris nach Le Tréport ermöglichte es wohlhabenden Pariser Familien, die Sommerfrische am Meer zu genießen. Mit ihnen kam die Blütezeit der luxuriösen Gebäude mit kunstvollen Balkonen und Bogenfenstern. Ob im anglo-normannischen, flämischen, maurischen oder sogar im Renaissance-Stil, jede Villa unterscheidet sich von ihrer Nachbarin und erzählt ihre eigene Geschichte. Opaline, Aiglon, Starfish und die Fairy Tiche… Namen, die die Fantasie anregen. Wer mag hier wohl gewohnt und den Blick aufs Meer genossen haben? Abends empfehlen wir Ihnen, zur Strandpromenade „Esplanade General Leclerc“ zu spazieren. Mit dem Rücken zum Meer staunen Sie über die Fassaden der Villen, die von der untergehenden Sonne in warmes Licht getaucht werden – ein Postkartenmotiv! Gehen Sie so nah wie möglich an diese prächtigen Villen heran, um unzählige feine Details zu entdecken. Wir wissen oft nicht, wo wir hinschauen sollen. Einmal sind es die Keramik-Cabochons, die die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Ein anderes Mal sind es außergewöhnliche Mosaikfriese! Beim dritten Mal die schmiedeeisernen Balkone. Mers-les-Bains ist einzigartig und romantisch.