© Nordfrankreich, Calais, Spitzen- und Modemuseum, Erklärung der Webstühle | Angélique Lyleire

Persönliche Geschichten aus Nordfrankreich

Was haben Glas- und Spitzenherstellung, Perlmutthandwerk, der Bergbau und die Metallgießerei gemeinsam? Die Menschen, die mit ihrer Hände Arbeit Außergewöhnliches leisten! Egal, ob es sich bei diesen Geschichten um visionäre Pioniere oder einfache Arbeiter handelt, sie alle machen Nordfrankreich zu der Region, die sie ist.

Detailaufnahme im Museum des Perlmutthandwerks und der Kunstdrechslerei, Méru, Nordfrankreich. Copyright: Musée de la Nacre et de la Tabletterie Jean Baptiste QuillienMéru _ musée de la nacre et de la tabletterie _ mouchetage des dominos
©Nordfrankreich, Méru, Museum für Perlmutthandwerk und Kunstdrechslerei|Musée de la nacre et de la tabletterie - Jean-Baptiste Quillien
Sars-Poteries

01. Die Geschichte der Glasbläser

In Saint-Gobain im Département Aisne wurden die Spiegel der berühmten Spiegelgalerie von Versailles hergestellt. Heute werden im Département Somme Flacons der bekanntesten Parfüm-Marken kreiert. Im Avesnois aber, mitten in der sanften Hügellandschaft, wartet auf Sie ein Universum der Glasbläser-Kunst.

Mitten auf einer Wiese steht das Glasmuseum „Musverre“, das an einen Quarzkristall erinnert. Ein weiter Innenraum, gleich einer Kathedrale, entführt Sie in die glitzernde Welt des Glases. Hier wirkt eine ganz eigene Magie auf Sie: Zeitgenössische Glaskunstwerke reflektieren das Licht und Kunstwerke, die die Glasbläser in ihren Pausen nebenbei aus „Ausschuss“ herstellten, strahlen in tausend Farben. In den Glaswerkstätten des Museums Können Sie die Glasbläser live bei ihrer Arbeit beobachten.

Nicht verpassen sollten Sie auf Ihrer Reise zu den Ursprüngen der Glasbläserei das Städtchen Trélon, in der alle Etappen der Glasherstellung erklärt werden. Heben Sie unterwegs öfter den Blick und schauen Sie sich die Dächer in diesem Teil Nordfrankreichs genau an: Mundgeblasene, gläserne Giebelähren verzieren die Dächer in den umliegenden Dörfern und bringen den Stolz der Region auf ihre Handwerker und Goldschmiede zum Ausdruck. Hier, in Nordfrankreich, wird aus Glas Poesie!

Guise

02. Godin und seine soziale Utopie

Das Familistère in Guise

 

 

 

Die Geschichte von Jean-Baptiste Godin, der aus einer kleinen Werkstatt für Guss-Öfen im Département Aisne ein mittelständisches Unternehmen mit 1.500 Mitarbeitern machte, steht exemplarische für das Wesen und die Werte Nordfrankreichs: Unternehmergeist und soziale Verantwortung.

Die Architektur des Familistère in Guise inspiriert sich an einer Wohngenossenschaft, in der gelebt, gearbeitet und konsumiert wird. Godin möchte der Industrialisierung und ihren harten Arbeitsbedingungen ein solidarisches Wohnkonzept entgegensetzen – mit Apartments, Gärten, Schulen, einer Wäscherei, einem Theater und einem Schwimmbad. „Die Arbeit ist zentral, sie ist die Mission des Menschen auf Erden, sie muss Gegenstand der sozialen Rücksichtnahme und strenger sozialer Gerechtigkeit sein“, sagte Godin. Bei so viel Innovation könnte man fast vergessen, dass in Nordfrankreich noch heute hervorragende Arbeit geleistet wird: Die berühmten Pfannen und Bräter von Le Creuset, die Sie vor Ort erwerben können, sind ein weltweiter Bestseller und dürfen in keiner Küche fehlen!

Lewarde - Bruay-la-Buissière

03. Das Land der Bergleute

Geheimnisse im Inneren der Mine

Auf dem Gebiet der ehemaligen Delloye-Grube fahren Sie im Historischen Bergbauzentrum von Lewarde hinab in die Stollen und erleben eine spannende Besichtigung in der Tiefe. Vor Ihnen liegen drei Jahrhunderte Bergbaugeschichte, ein wesentlicher Teil der wirtschaftlichen Entwicklung Frankreichs. Eine Geschichte der Aufopferung, Ausdauer und der Solidarität – edle Werte, typisch nordfranzösisch! Sie beginnen Ihre Erkundung in den Umkleiden der Bergleute, es folgt die Lampenstube und dann natürlich der Höhepunkt, der Abstieg in das Bergwerk mit dem Aufzug. Nervenkitzel garantiert!

Ein anderes Erlebnis in Nordfrankreich: 

Ein ganz anderes, aber genauso authentisches Erlebnis bietet Ihnen die Cité des Electriciens in Bruay-La-Buissière, eine ehemalige Wohnanlage der Bergleute. Fühlen Sie sich wie zu Hause in den Hotelzimmern mit Namen wie „Roger“, „Liliane“ oder „Jean-Baptiste“ – alles ehemalige Bergleute, die hier gearbeitet und gelebt haben. Die Cité verspricht außerdem authentische Begegnungen und viel Wissenswertes zum Leben der Bergarbeiter. Auch die Kulinarik kommt nicht zu kurz: Genießen Sie Malabar-Lauch, gebutterte Hardy-Birnen, alte Apfelbäume, die von den Bergarbeiterfamilien in den Gärten der Cité angebaut wurden und heute die Speisekarte des Restaurants Carin Gourmand bereichern. Tanken Sie Energie während eines Bergbau-Wochenendes und tauchen Sie ein in die Geschichte Nordfrankreichs.

Calais - Caudry - Chantilly

04. Nordfrankreichs Meister-Spitze

Spitze "made in France"

Egal, ob ein Traum aus schwarz oder weiß, Spitze ist immer verführerisch und das Symbol für Weiblichkeit. Die Spitze Nordfrankreichs ist einzigartig und setzt internationale Trends, das zeigen das Mode- und Spitzenmuseum in Calais, das Museum für Spitze und Stickerei von Caudry oder das Spitzenmuseum von Chantilly. Spezialisten für weiße Spitze sind die nordfranzösischen Städte Calais (Dessous) und Caudry (Kleidung). Nicht zu verwechseln ist diese Spitze jedoch mit der gestrickten Calais-Caudry® Spitze, ein Stoff höchster Qualität!

Selbst Kate Middleton ist dem Charme der nordfranzösischen Spitze verfallen: Ihr Hochzeitskleid wurde aus feinster Caudry-Spitze hergestellt. In den Museen von Calais und Caudry können Sie Live-Klöppel-Vorführungen auf den riesigen „Leavers“-Maschinen – den letzten auf der Welt – beobachten und zwischen Originalstücken schlendern. Allen Fans schwarzer Spitze legen wir Chantilly ans Herz: Folgen Sie mit Ihrem Blick den floralen Motiven auf dem sechseckigen Maschengrund dieser besonders feinen Spitze. Für welchen Stil auch immer Sie sich entscheiden, die Spitze aus Nordfrankreich ist purer Luxus und wird (wieder) von großen Luxusmarken entdeckt! 

Méru

05. Perlmutt-Kunst und kunstvolle Schnitzereien

Wenn sich Muscheln und Krustentiere in Knöpfe oder Dominosteine verwandeln, dann sind Sie im Museum für Perlmutt-Kunst und Kunstschnitzerei in Méru (Département Oise). Die schillernde Oberfläche der Knöpfe, Tabletts, Ventilatoren oder Gesellschaftsspiele sind faszinierend und jedes Mal einzigartig.

 

Perlmutt wurde in Méru in der Vergangenheit von einem Familienunternehmen hergestellt, das den Ruf der Kleinstadt begründete. Im Museum wird dieses traditionelle Know-How gezeigt. „Das Formen von Perlmutt erfordert Akribie und Feingefühl“, verrät Audrey Martin, Kunsttischlerin des Museums und ehemalige Schülerin der renommierten Boulle-Schule. Wussten Sie, dass die großen Pariser Modehäuser immer auf der Suche nach diesen kleinen Kunstwerken sind?

Die Herstellung eines Perlmuttknopfes sehen Sie in der Knopfmacher-Werkstatt, die originalgetreu nachgebaut wurde und mit einer Dampfmaschine betrieben wird. Weitere Schätze der Sammlung sind das perlmuttüberzogene Theaterfernglas, Fächer, ein geschnitzter Brieföffner mit Fischen und Laub oder der elegante Zigarettenhalter aus den 1950er Jahren. Und wenn Sie selbst ein kleines Kunstwerk als Andenken oder Mitbringsel mit nach Hause nehmen möchten, dann nichts wie in den Museumsshop!